V e r a n s t a l t u n g s r ü c k b l i c k
der Bezirksgruppe Oberbayern (München)
       
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Rückblick 2011


13.01.2011
Dr. Waldburg Eder: "Freuden und Leiden beim Erforschen meiner Lehrer-Vorfahren"

Die beiden Lehrer-/Mesnergeschlechter Stadler aus Parkstetten, Landkreis Straubing und Eder aus Engelsberg, Landkreis Trostberg haben von ca. 1600 bis etwa 1900 ununterbrochen in einer Gemeinde als Lehrer und Mesner gewirkt. Im Jahr 1905 wurden diese beiden Familien durch Heirat verbunden. Der älteste Eintrag eines Stadler ist aus dem Jahre 1658 (Beginn der Kirchenbücher 1654), wo beim Sterbeeintrag von Michael Stadler vermerkt ist: ludioperator et custos huius loci (also Lehrer und Mesner hier). In Engelsberg hat die Familie Eder gelebt. Der älteste Eintrag ist vom 16. Januar 1664, als Georg Eder, Mesner stirbt. Auch Mitglieder dieser Familie waren dann bis 1851 in Engelsberg ununterbrochen Lehrer und Mesner. Da jeweils nur ein Sohn den väterlichen Beruf am Ort übernehmen und am Ort bleiben konnte, mussten die Brüder eine Verdienstmöglichkeit als Lehrer, Mesner, Verwalter oft weit weg vom Heimatort aufnehmen. Diese Geschwister zu finden, ist für den Familienforscher meist reiner Zufall. Heiraten mit den bäuerlichen Nachbarn waren selten. Viele Ehen wurden zwischen Lehrerstöchtern und Lehrerssöhnen geschlossen.
In Parkstetten ist besonders Johann Evangelist Stadler interessant, ein Bruder des letzten Lehrers Joseph Stadler. Er hat Theologie studiert, war ein Sprachengenie, Professor an der Universität München und zuletzt Domvikar in Augsburg. Die Schule in Parkstetten trägt den Namen "Dr.-Johann-Stadler". Aber auch in Kirchroth, Aholfing, Aidenbach, Pfarrkirchen und Pfaffenmünster und wahrscheinlich auch in weiteren Orten waren Stadlers als Lehrer und Mesner tätig.

Im Staatsarchiv sind umfangreiche Unterlagen der Schule und der Lehrer von Engelsberg vorhanden, die ein gutes Bild vom ärmlichen Leben dieser Leute im 18. und 19. Jahrhundert ermöglichen. Auch aus den Lehrer-Schematismen, die in Niederbayern ab 1834 gedruckt wurden, kann man interessante Details zum Zustand des Schul/Wohngebäudes, zum Diensteinkommen, zu Viehstand, Naturalien und Viktualien, Schülerzahl usw. erfahren.
Bis zum 20. Jahrhundert war ein Lehrer gleichzeitig auch Mesner, Organist und Kantor. Bei einer Schülerzahl von bis zu 100 Werktags- und 35 Feiertagsschülern bei täglichem Gottesdienst mussten die Lehrersehefrau und auch die Kinder mithelfen. Im Sterbeeintrag wird die Lehrersehefrau häufig auch als Mesnerin oder Schulmeisterin tituliert. Gottfried Eder gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte das Los aller Lehrer, die nicht die Stelle ihres Vaters übernehmen konnten. Er wurde versetzt oder ließ sich versetzen, sodass er es auf insgesamt 11 Lebensstationen brachte.


27.01.2011
Mitgliederversammlung mit Neuwahlen des Vorstandes und der Delegierten

Die Mitgliederversammlung wählte Frau Dr. Waldburg Eder zur Vorsitzenden, Herrn Burkhard von Roell zum stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Reinhold Deuter zum Kassenwart, Herrn Anton Huber zum Schriftführer. Im Anschluss wurden 19 Delegierte für die Landesausschusssitzung in Donauwörth gewählt.


17.02.2011
Prof. Dr. Herbert Stoyan stellte sein Informationssystem "WWPerson" vor

(http://www8.informatik.uni-erlangen.de/html/ww-person.html), das in Entstehung begriffen ist, und die Vielfalt der menschlichen Beziehungen in ihrer historischen Entwicklung, vor allem des Adels abbilden will. Prof. Stoyan war Spezialist für Wissensmanagement, insbesondere für die Darstellung und computer-basierte Verarbeitung von Wissen.
Hier geht es um historisches Wissen, um genealogische, heraldische, wirtschafts-historische, kirchenhistorische Inhalte (und andere). Sein System behandelt ganz Europa. Der Schwerpunkt liegt noch im genealogischen und heraldischen Bereich, doch werden auch andere der aufgeführten Beziehungen dargestellt und aufgebaut.

Das System enthält zur Jahreswende 2010/2011 um die 820.000 Personendatensätze, mit denen historische Personen aus fast allen europäischen Ländern beschrieben werden. Hinzu kommt eine Datei von europäischen Orten, die den Zustand um 1906 beschreibt und eine Datei historischer Ereignisse. Ereignisse sind Beziehungen von Daten, Orten und Personen, die an diesen Orten zu der durch das Datum gegebenen Zeit gehandelt haben. Hinzu kommt eine Datei von Datensätzen, die den Wappenbesitz von Familien beschreiben. Auf ihrer Grundlage kann man jeder Person im System, deren Wappen bekannt ist, dieses zuordnen. Wenn die erwähnten weiteren Personenbeziehungen angelegt und eingearbeitet sind, kann man die historischen Ereignisse verständlich und plastisch darstellen, indem die Beziehungen der an einem Ereignis beteiligten Personen explizit gemacht werden können, d.h. in Ausschnitten sichtbar und durch Nachfassen analysierbar.


28.02.2011
Lupold von Lehsten vom Institut für Personengeschichte in Bensheim referierte über die zu Unrecht meist wenig beachteten Mutterstämme, die aber zu sehr interessanten Beobachtungen führen.
Der Referent wies darauf hin, dass keine Abstammungslinie so gesichert ist wie der Mutterstamm ("mater semper certa est"). Aber die Informationen über den Mutterstamm sind meist geringer, besonders wenn man in der Geschichte weiter zurückgeht, da z. B. in den Kirchenbüchern die Frauen meist nur als Anhängsel des Mannes ohne Familiennamen geführt wurden. Einige Beispiele von Mutterstämmen, wie die Goethe-Verwandtschaft und Beispiele aus dem mittel-europäischen Adel wurden vorgestellt. Grundlegende Untersuchungen zu diesem Thema wurden von Arndt Richter durchgeführt und veröffentlicht. Der Vergleich von Vaterstämmen (ganz links auf der Ahnentafel) mit den Mutterstämmen (ganz rechts) zeigt, dass es bei den mitteleuropäischen Regenten etwa 20 % mehr Vaterstämme als Mutterstämme gibt.


17.03.2011
Forscherwerkstatt

Helmuth Rehm führte mit seinem durch eine Bildschirmpräsentation unterstützten Vortrag in die Familienforschung ein. Er zeigte die ersten Schritte auf, die jeder angehende Familienforscher gehen sollte, bevor er sich anschließend den Recherchen in Archiven zuwenden wird. Ausführlich stellte er die Vorgehensweise beim Sammeln von weiteren Informationen in den Archiven dar und wandte sich dann den verschiedenen Möglichkeiten einer Darstellung der Forschungsergebnisse zu. Da die Familienkunde eng verbunden mit der Wappenkunde ist, sprach er abschließend auch noch das Thema Heraldik und den Wappenmissbrauch an.
Der Vortrag war insbesondere als Anleitung für neue Mitglieder der Bezirksgruppe gedacht. Aber auch die relativ zahlreich erschienenen "alten Hasen" nahmen manche Anregungen aus dem Vortrag und insbesondere aus der anschließenden regen Diskussion mit.


31.03.2011
GF-Ahnen in der neuen Version 11.0

Herr Bruno Bauernschmidt aus Nürnberg, Betreuer des Genealogieprogramms GF-Ahnen, stellte uns die neuen Funktionen in der Version 11 von GF-Ahnen vor. Ausführlich wurde u.a. auf die neue Integration der GPS-Koordinaten, erweiterte Listenerstellungen und neuer Grafiken eingegangen. Herr Bauernschmidt beantwortete auch viele Fragen und löste Probleme der Anwender. Der Vortrag erklärte dabei auch viele grundlegende Funktionen von GF-Ahnen, so dass sich auch Interessierte einen Eindruck vom Programm verschaffen konnten.


14.04.2011
Alexander Peren: Familiennamen: Woher kommt mein Name? Was bedeutet er?

Jeder Name ist zur Unterscheidung durch Dritte vergeben worden. Somit hat jeder Name seine Bedeutung (das gilt nicht nur für Familiennamen, sondern für jegliche Bezeichnung). Die Familiennamensbildung geschah im deutschen Sprachraum überwiegend im 13. und 14. Jahrhundert und fand seinen Ausgang im Süden. Sie verlief stets nach den gleichen Regeln, die es heute bei entsprechendem Hintergrundwissen meist erlauben, die Familiennamen zu erklären.
Vier große Hauptgruppen haben sich herausgebildet, denen alle Namen zugeordnet werden können. Die bekannteste ist die Gruppe der Berufsbezeichnungen (Müller, Huber, Maier), gefolgt von Herkunftsnamen (Dillinger, Steinbrück, Straßburger) und den Familiennamen, welche aus Rufnamen entstanden sind (Matthäus, Martini, Karl). Schließlich wurden Übernamen (vergleichbar Spitznamen) aus körperlichen, geistigen Eigenschaften oder auffälligen Verhaltensweisen zu Familiennamen fixiert (Spät, Krause, Dürr, Schwarz, Kluge).
Die heutigen Schreibweisen der Namen sind eher zufällig und können u.U. die Bedeutung eher verdunkeln als erhellen (Kretschmaier hat nichts mit Maier zu tun, sondern kommt aus slawisch "kretschmar" = Wirt). Um einen Namen nicht falsch zu interpretieren, ist somit die Zusammenschau alter Namensschreibweisen notwendig. Sogenannte "Bedeutungskreuzungen" ergeben sich, wenn zwei gleichlautende Begriffe unterschiedliche Bedeutungen haben können ("Ernst" sowohl als Rufname denkbar als auch als Charaktereigenschaft "nicht fröhlich"; Maier im Süden und Meier im Norden).
Jede Region hat seine dialektalen Besonderheiten (Wörter die nur in einer bestimmten Gegend verwendet werden z. B. "Moos", "Bruch" und "Venn") und Regeln, weshalb an der Erscheinungsform des Namens (Endung, einzelne Buchstaben, Dehnungs-Kürzungs-Aussprache Hofmann/Hoffmann) oft erkannt werden kann, in welcher Region und manchmal auch wann der Name entstanden sein muss. Dabei spielt die Sprachwissenschaft und ihre Erkenntnisse eine entscheidende Rolle. Folglich benötigt man für die Onomastik (Namenkunde; Bedeutung der Namen) viel Hintergrundwissen aus unterschiedlichen Fachgebieten.
Durch die Fixierung der Familiennamen 1875 in den Standesämtern können keine neuen Familiennamen mehr entstehen, allerdings sterben alte aus (derzeit noch ca. 275.000 unterschiedliche deutsche Familiennamen).

Der Referent kam über die Familienforschung und VHS-Kurse zu dieser Thematik und veröffentlichte im Jahr 2000 einen entsprechenden Artikel. In dessen Folge analysierte er viele Namen und fand darüber auch den Einstieg in die Sprachwissenschaft. Das Publikum konnte durch Fragen den eigenen Wissensdurst stillen, wobei aufgrund der Vielzahl von Fragen nicht alle Fragen behandelt werden konnten.


07.05.2011
Tag der Genealogieprogramme

Die Veranstaltung im Gasthof Stocker, Landsham (Lkr. Ebersberg) begann um 10 Uhr mit dem Einführungsvortrag: "Genealogieprogramme. Was sollen sie können?", erstellt von Herrn Rolle, vorgetragen von Herrn Hans Niedermeier. Der Vortrag stellte kurz die wichtigsten Kriterien von der Dateneingabe, über die Listen- bis zur Diagrammerstellung für ein Genealogieprogramm vor. Zudem wurde auf die Wichtigkeit der Quellenangabe und auch die problematische Kompatibilität des GEDCOM Standards zwischen den einzelnen Programmen eingegangen. Das perfekte Programm mit allen Möglichkeiten gibt es noch nicht auf dem Markt, alleine schon wegen der unterschiedlichen Ansprüche des einzelnen Anwenders.
In der anschließenden Diskussion konnten wichtige Fragen der Anwender, u.a. zur Datenkompatibilität, Buch- und Stammbaumdarstellung detailliert geklärt werden.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen wurden von 13 bis 16 Uhr sieben ganz unterschiedliche Genealogieprogramme GenProfi Stammbaum, Family Tree Builder, Family Tree Maker, PAF, Ages!, GF-Ahnen und Stammbaumdrucker einzeln an eigenen Ständen vorgestellt. Erfahrene Anwender bzw. Hersteller stellten mit Hilfe von Beamern ausführlich ihr Programm vor. Die Anwender bekamen die Möglichkeit, viele Fragen an die Experten zu richten und auch eigene Probleme konkret gelöst zu bekommen.
Herr Willmann, Mitglied der Mormonen gab ein kurzes Statement zur Zukunft von PAF ab. PAF werde nicht mehr weiterentwickelt, in naher Zukunft wird aber auch in Deutschland ein internetbasiertes Genealogieprogramm der Mormonen verfügbar sein, das von Herrn Willmann bereits am PC gezeigt wurde.


12.05.2011:
Erhard Füssel: "Salzburger in alle Welt - Wanderungsbewegungen infolge gewaltsamer Rekatholisierung im Alpenraum".

Der Referent merkte an, dass seine Beschäftigung mit dem Thema auf eine Bitte von Herrn Trurnit zurückgehe und nicht auf eigene Betroffenheit. Zunächst wurde von ihm das geschichtliche Umfeld der Reformation und der darauf folgenden Gegenreformation umrissen und die zugehörige Rechtsentwicklung im Heiligen Römischen Reich bis zum Westfälischen Frieden dargestellt. Entstehung und Verbreitung des Protestantismus im geistlichen Fürstentum Salzburg wurden näher beschrieben und die Maßnahmen zur Rekatholisierung beleuchtet.

Eine erste Vertreibungsaktion galt den Protestanten der Stadt Salzburg, deren Anteil an der Bürgerschaft zeitweilig 60 Prozent erreicht hatte. Da auf dem Lande die Missionierung durch herbeigerufene Mönchsorden nur geringe Erfolge verbuchte und vor allem die Gebirgsbauern sich dagegen hartnäckig verwahrten, sah Erzbischof Firmian 1731 eine Lösung nur in der gewaltsamen Vertreibung aller Protestanten. Mit Hilfe österreichischer Soldaten wurde ein Fünftel aller Einwohner des Erzstiftes, etwa 22.000 Menschen, unter offenem Bruch des Reichsrechtes gewaltsam aus dem Lande vertrieben. Die Umstände der ersten Verjagungen mitten im alpenländischen Winter waren so grausam, dass etwa ein Viertel aller Exulanten verstarb, bevor diese an einem Zielort sesshaft werden konnten. Die Vertriebenen versuchten zunächst nur, protestantisch regierte Gebiete zu erreichen. Angesichts ihres Elends bot dann der preußische König Friedrich Wilhelm I an, alle Vertriebenen aufzunehmen und in Ostpreußen anzusiedeln. Weitere Protestantenvertreibungen aus dem Erzstift folgten 1733 (Fürstpropstei Berchtesgaden) und sogar noch 1837 (Zillertal).

Der Referent beleuchtete abschließend die wirtschaftlichen und politischen Folgen der Verteibungsmaßnahmen. Die Gesamtzahl der Salzburger Exulanten wird auf 30.000 geschätzt, sie siedelten sich auch im schlesischen Riesengebirge, im Kurfürstentum Hannover, in den Niederlanden, in Georgia (USA) und in Chile an. Ihre Nachkommen wurden 1945/46 teilweise erneut vertrieben.


09.06.2011:
Dr. Kurt Schöndorf: Leseübungen an älteren Texten.

Wie bei seinen letzten Leseübungen hat Herr Dr. Schöndorf wieder ein interessantes Thema für die Leseübung ausgesucht. Es ging dieses Mal um die Zeremonie bei der Hochzeit der Tochter Anna Maria des Pfalzgrafen und Herzogs Philipp Ludwig von Neuburg, mit dem Herzog Friedrich Wilhelm I. von Sachsen-Weimar im Jahr 1591 in der Residenz von Neuburg. Detailliert und gewohnt kurzweilig führte er uns mit seinen Hinweisen und Erläuterungen durch den Text.
21 Teilnehmer (19 Mitglieder, 2 Gäste)


30.06.2011:
Norbert Willmann: "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage: Weltumspannende Forschung mit family search - Was uns das größte Personenarchiv bietet"

Herr Willmann stellte uns die umfangreichen Forschungsmöglichkeiten von "Family-Search" vor. Ein neuartiges webbasierte Genealogieprogramm soll es verschiedenen Nutzern möglich machen, an einer Person gleichzeitig zu arbeiten und so gemeinsame Linien einfacher und schneller zu erforschen. Die Daten können sowohl neu eingetippt als auch über Gedcom importiert werden. Zu beachten ist dabei, dass "FamilySearch" damit Eigentümer der Daten wird. Zudem hat das Projekt der christlichen Glaubensgemeinschaft umfangreiches Quellenmaterial wie Kirchenbücher aus der ganzen Welt und auch deutschen Stadtarchiven bereits digitalisiert und kostenlos ins Netz gestellt.
43 Teilnehmer (27 Mitglieder, 16 Gäste)


14.07.2011:
Dr. Barbara Kink ging im Rahmen der Bayerischen Landesausstellung 2011 "Götterdämmerung - Ludwig II und seine Zeit" auf das ereignisreiche Leben und Wirken des "Märchenkönigs" ein.

Als Thronfolger wuchs Ludwig in einer "Parallelwelt" auf. Durch den plötzlichen Tod seines Vater mit nur 18 Jahren kam Ludwig II. 1864 an die Regierung - in einem kriegerisches Zeitalter: 1866 verlor Bayern an der Seite Österreichs gegen Preußen, 1871 siegte es an der Seite Preußens gegen Frankreich, verlor aber gleichzeitig seine Selbstständigkeit.
Von der Realität enttäuscht, errichtete sich Ludwig II. eine Gegenwelt. Im Theater begegnete er den von ihm verehrten historischen Gestalten und Mythen. Seine Schlösser beschworen die Vergangenheit von Mittelalter und Absolutismus. Seine Schlösserprojekte wurden für Ludwig zur eigentlichen Realität, Ausdruck seines geistigen Lebens und Orte seiner hohen Idee vom Königtum.
Sein Königreich war anders und fremd, katholisch und urwüchsig, bewundert und verachtet, fügte es sich nur widerwillig in den uniformierten Einheitsstaat. Dabei brach es die Dämme in die moderne Zeit: Zukunftsweisende Erfindungen, vor allem in Chemie und Elektrizität, führten Bayern an die Spitze des Fortschritts.
Das Bild des strahlenden Monarchen wurde überschattet von Gerüchten über Schulden und Geisteskrankheit. Die Absetzung schien der letzte Ausweg. Mit dem rätselhaften Tod des Königs am 13. Juni 1886 im Starnberger See endet das Drama.
28 Teilnehmer (19 Mitglieder, 9 Gäste)


16.07.2011:
Vereinsausflug nach Urschalling und Besuch der Bayerischen Landesausstellung 2011
"
Götterdämmerung - König Ludwig II" im Neuen Schloss Herrenchiemsee.

Unsere Fahrt mit dem Bus zur Landesausstellung unterbrachen wir in Urschalling, einem kleinen Kirchweiler auf der Anhöhe über Prien und dem Chiemsee. Dort wurden wir von unserer Führerin Frau Marquard in die kleine romanische Urschallinger Jakobus-Kirche geführt. Ihr Freskenzyklus zählt zu den besterhaltenen des ausgehenden 14. Jahrhunderts im oberbayerischen Raum. Nach einer historischen und baugeschichtlichen Einführung wurden wir fachkundig eingeführt in den Urschallinger Freskenzyklus mit seinen überraschenden Darstellungen, seiner vielfältigen Schar der Heiligen und seiner überbordenden Farbigkeit. Das theologische Konzept mit seinen historischen und literarischen Bezügen wurde uns durch die Mittelalterhistorikerin Frau Marquard erschlossen. In eindrucksvollen Bildern wird von den Hilfen und Hindernissen auf dem Weg hin zur Auferstehung in der Gemeinschaft der Heiligen erzählt. Anhand der Bilder erfuhren wir vom Ringen des mittelalterlichen Menschen mit Höllenangst und Paradieshoffnung, von den plastischen Vorstellungen der christlichen Mysterien wie Jungfrauengeburt, Maria Himmelfahrt oder Dreifaltigkeit. In den Gestalten der Heiligen spiegelt sich die mittelalterliche ständische Ordnung wieder, die politische Situation und die Rolle der Frau in Kirche und Welt. Vor der Weiterfahrt stärkten wir uns im malerischen Biergarten des Traditionswirtshauses Mesner Stub'n.

Von Prien aus fuhren wir mit dem Schiff bei strahlendem Sonnenschein auf die Herreninsel, wo wir nach einem etwa halbstündigen Spaziergang, vorbei an den berühmten Prunkbrunnen und Wasserspielen, das neue Schloss Herrenchiemsee erreichten.

1873 erwarb König Ludwig II. die Herreninsel als Standort für sein Neues Schloss. Als Abbild von Versailles sollte dieses Schloss ein "Tempel des Ruhmes" für König Ludwig XIV. von Frankreich werden, den der bayerische Monarch grenzenlos verehrte. In die großen Schauräume, wie das Prunktreppenhaus, das Paradeschlafzimmer und die Große Spiegelgalerie wurden wir nach der Führung durch die Landesausstellung geführt. Die Landesausstellung selbst fand in den Rohbauräumen von Schloss Herrenchiemsee statt, die unter Ludwig II. unvollendet blieben und erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. 125 Jahre nach dem Tod von Ludwig II. wurde mit Visualisierungen, 3-D-Animationen, Originalobjekten und Grafikwänden ein Königsdrama in fünf Akten in fünf Räumen aufgeführt:
Wie Ludwig König wurde.
Wie der König Krieg führen musste und einen Kaiser über sich gesetzt bekam.
Wie der König seine Gegenwelten schuf.
Wie Ludwigs Königreich modern wurde.
Wie Ludwig starb und zum Mythos wurde.
50 Teilnehmer


02.08.2011:
Sommerlicher Familienforscher-Stammtisch im Biergarten der Gaststätte "Hofbräukeller". Bei schönstem Biergartenwetter konnten wir uns in lockerer Runde austauschen.
25 Teilnehmer


06.09.2011:
Sommerlicher Familienforscher-Stammtisch im Biergarten der Gaststätte "Hofbräukeller". Wieder hatten wir Glück und konnten uns im Freien austauschen.
12 Teilnehmer


29.09.2011:
Dr. Walter Sturm: Medizinische Aspekte bei der Ahnenforschung

Aufbauend auf eigenen Familienchroniken wird die Familienforschung unter dem Blickwinkel eines Mediziners betrachtet. Zu Beginn wird der Unterschied zwischen den handwerksmäßig ausgebildeten Badern und den studierten Ärzten dargestellt, sowie ihren hauptsächlichen Aufgabenfeldern. Den früher nur symptombezogenen Diagnosen werden die heute die ursachenbezogenen Diagnosen gegenübergestellt.
Anhand von Beispielen aus der eigenen Familiengeschichte wird versucht die schrecklichen Folgen der zurückliegenden Seuchenzüge (Pocken, Cholera, Tuberkulose, Diphtherie, Grippe) deutlich zu machen. Neben rein gesundheitlichen Gesichtspunkten werden auch Folgen kriegerischer und wirtschaftlicher Krisen im Umfeld dieser Zeiten dargestellt, ohne die Bezüge zu Heute außer Acht zu lassen.
Im Detail werden Daten aus Kirchenbüchern, die über Geburtsverlauf, Beruf und Todesursachen Auskunft geben, sowie aus Musterungsakten (Beruf, Körpergröße, Fitness) herangezogen.
Altersbedingte Krankheiten wie auch Folgen des hohen Blutdruckes (? Schlaganfall, Herzinfarkt, Nierenversagen) sollen Anlass sein, bereits in jungen Jahren durch eine angepasste Gesundheitsvorsorge die Probleme des Lebens zu meistern.
Die in uns schlummernden positiven und negativen Anlagen können wir eventuell durch Ahnenforschung erkennen und so durch eine gesunde Lebensführung verstärken, bzw. vermeiden.
Großer Respekt und Dankbarkeit gebührt den Ahnen, die diese bisweilen existenz-bedrohenden Krisen alle gemeistert haben. Unsere jetzige Generation stellt ein durch die Schicksale auserwählte Gruppe dar, die Pest, Cholera, Kriege etc. überstanden hat. Dank und Freude, dass wir alle heute leben dürfen und nicht die früheren Mühsale durchstehen müssen.
28 Teilnehmer (19 Mitglieder, 9 Gäste)


27.10.2011:
Dr. Wolfgang Pledl: "Heimatpflege heute"

Der Begriff "Heimat" wird von jedem anders interpretiert, so die einleitenden Worte von Herrn Dr. Pledl: Ist das traditionelle Brauchtum oft Synonym für "Heimat", verstehen andere darunter die neumodische "Oktoberfest-Tracht" und können sich so mit ihrer Heimat identifizieren.
Neben interessanten Landschaftsimpressionen aus ganz Bayern stellte der Referent auch die begangenen Fehler bei der Heimatpflege vor: Alte Gebäude müssen neuartigen Hochhäusern weichen und zerstören so historische Baudenkmäler wie die Ludwigstraße in München. Dies versucht man durch den Denkmalschutz, soweit möglich, zu verhindern.
33 Teilnehmer (31 Mitglieder, 2 Gäste)



29.10.2011:
In einem mehrstündigen Seminar gab Dr.-Ing. Ekkehart H. v. Renesse einen Einblick in die umfangreichen Funktionen seines Programmes "Stammbaumdrucker".

Neben der einfachen Datenverwaltung und der Gedcom-Optionen stellte er vor allem die speziellen Gestaltungsmöglichkeiten eines eigenen Stammbaumes mit "Stammbaumdrucker" wie verschiedene Baumstrukturen, Einstellung von Höhe und Breite, Gestaltung von Inhalt und Design sowie die Einbindung von eigenen Texten und Bildern vor. Die Zuhörer konnten jederzeit Fragen stellen, die umfassend beantwortet wurden.
24 Teilnehmer (19 Mitglieder, 5 Gäste)



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