V e r a n s t a l t u n g s r ü c k b l i c k
der Bezirksgruppe Schwaben (Augsburg)
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Jahresrückblick 2011
13.01.2011: Donnerstag, 19.00 Uhr:
Mitgliederversammlung mit Wahl der Delegierten
Der Abend begann mit einem Sektempfang, gespendet von Herrn Wegele.
Die Mitgliederversammlung begann mit dem Geschäftsbericht des Vorsitzenden. Er sprach über die positive Mitgliederentwicklung und besonderen Ereignisse des letzten Jahres. Er dankte seiner engagierten Mannschaft für ihren Einsatz, der ein erfolgreiches Arbeiten erst möglich macht.
Herr Hemprich berichtete über die Neuzugänge und Ausleihen der Bibliothek (139 Besucher, davon 96 Ausleiher mit insgesamt 262 Bücher, 4 Fernleihen mit 6 Büchern, insgesamt 117 Neuzugänge), die Besucherzahlen und Ausleihen nehmen beständig zu.
Herr Deiml stellte den Kassenbericht und den Haushaltsplan 2010 vor und erläuterte die wichtigsten Punkte. Die Kassenprüfung ergab keine Beanstandungen, der Kassenwart und die gesamte Vorstandschaft wurde entlastet. Herr Deiml ist seit 25 Jahren Kassenwart des BLF, Herr Wegele überreichte ihm eine Urkunde und ein Präsent und dankte ihm für die jahrelange vorbildliche Arbeit für den Verein.
Die Delegierten wurden in geheimer Wahl bestimmt.
(2 Gäste u. 37 Mitglieder)03.02.2011: Donnerstag, 19.00 Uhr:
Peter Lingnau u. Sabine Scheller: Ahnenforschung im Internet
Herr Lingnau stellte die Seite: "genealogy.net" vor. Die Forschungsmöglichkeiten sind enorm und alles ist kostenlos. Er erklärte die Datenbanken der Seite insbesondere die familienkundliche Literaturdatenbank. Die Suchmöglichkeiten sind phänomenal. Der "Karlsruher Virtuelle Katalog" (KVK) für die Suche nach Büchern wurde erläutert. Die Suche nach Büchern und Zeitschriften in der Zeitschriftendatenbank (ZDB) konnte direkt im Internet gezeigt werden. Familienanzeigen und Todesanzeigen sind Fundgruben für Familienforscher.
Frau Scheller führte die Such- und Speichermöglichkeiten für Todesanzeigen vor. Die Vorteile von regionalen Datenbanken für Todesanzeigen oder Sterbebilder wurden besprochen. Die Homepage mit den Matrikeln des Bistums Passau stellte Frau Scheller kurz vor. Auch für das Elsaß und Tschechien gibt es Online-Matrikel zum Forschen.'
Herr Pusinelli erläuterte die Möglichkeiten der Suche nach Vorfahren in Zeitschriften und Büchern. Die Literatursuche war hochinteressant. Nicht nur in den Intelligenzblättern und Büchern wurde er fündig.
(2 Gäste u. 37 Mitglieder)03.03.2011: Donnerstag, 19.00 Uhr:
Matthias Gabler: Die Onlinestellung der Matrikel des Bistums Passau
Herr Gabler, der Schriftleiter der Gelben Blätter des BLF, arbeitet u. a. im Bistumsarchiv Passau an der Onlinestellung der Matrikel mit. Bisher sind nur die Pfarreien nördl. der Donau im Internet einsehbar, die Pfarreien südl. der Donau folgen in diesem Jahr spätestens Anfang 2012. Seit 15 Jahren wird an dem Projekt gearbeitet. Die Digitalisierung der Kirchenbücher geht inzwischen, dank moderner Technik, zügig voran. Jedoch ist die Nachbereitung der Aufnahmen sehr aufwändig. Jedes Buch muss Seite für Seite durchgeblättert werden, Leerseiten oder Einlegezettel müssen registriert werden, was befindet sich auf der Seite - Einteilung nach Taufen, Heiraten, Sterbefällen usw.. Historische Notizen werden separat erfasst und erst später online gestellt.Herr Gabler erläuterte die Homepage, die "Navigation" und die Möglichkeiten der Darstellung. Nach der Erläuterung des Dateinamen eines Scans, Was bedeutet er?, Wie entstand er? und Was finde ich darin?, ging er auf das Pfarrbücherverzeichnis ein, das noch nicht im Internet zu finden ist. Es muss komplett umgearbeitet werden. Bisher gibt es nur ein Pfarreienverzeichnis im Internet. Das Verwaltungsprogramm des Archives bringt immer wieder Probleme mit sich, die erst nach und nach in der Praxis zu Tage treten. Die Sperrfristen für die Matrikel wurden, nach ausführlichen Diskussionen, auf 120 Jahre festgelegt. Die Übersicht über die Scans einer Pfarrei kann je nach Bedarf nach Bandnummern, Laufzeiten oder Kirchenbüchern sortiert werden. Direkt im Internet führte Herr Gabler die Vorteile der Kirchenbuchscans vor. Über eine komfortable Navigationsleiste kann man den Scan vergrößern, die Helligkeit beeinflussen oder mit einem Klick die nächste Seite aufrufen. Der Vorteil für den Forscher ist ganz klar der Wegfall der Wegstrecke, man kann Ort und Zeit der Recherche selbst bestimmen. Natürlich fallen zu Hause die Lesehilfe und die Kommunikationsmöglichkeiten im Archiv weg.
Langfristig ist das Projekt auch eine Kostenersparnis für das Archiv, das Archivgut wird geschont, zusätzlich ist es gesichert. An dem Aufbau einer Datenbank mit den Matrikeleinträgen wird gearbeitet. Zuletzt führte er noch einige Kuriositäten aus den Kirchenbüchern vor. Die Kosten für dieses Projekt sind enorm und der Zeitaufwand ebenfalls. Daher sind die Forscher den "Machern" des Projektes sehr dankbar, dass sie sich von den auftretenden Problemen nicht haben entmutigen lassen. Es wäre sehr schön, wenn das Beispiel Schule machen würde.
(8 Gäste u. 43 Mitglieder)07.04.2011: Donnerstag, 19.00 Uhr:
Dr. Claudia Kalesse: Auf der Suche nach einem Archiv.
Die Rekonstruktion der Amtsbuch- und Aktenbestände des Reichstifts Kaisheim
Frau Dr. Kalesse, die stellv. Leiterin des Staatsarchives Augsburg, sprach über die Rekonstruktion der Amtsbuch- und Aktenbestände des Reichstifts Kaisheim. Zunächst erläuterte sie die Geschichte des Reichstiftes. Das Kloster wurde am 21.09.1135 gegründet, nach und nach wurden zahlreiche Gebiete dazugekauft, so umfasste der Besitz z. B. die Pflegämter Ammerfeld, Tapfheim, Huisheim, Nördlingen oder Ingolstadt. Gemäß der räumlichen Ausdehnung wurden Handelshäuser in einigen Städten, z. B. Nördlingen, Augsburg oder Lauingen, gegründet. Die Bedeutung des Reichstiftes nahm immer mehr zu und somit auch die Wichtigkeit des Amtsbuch- und Aktenbestandes für heutige Forscher. Anhand des Titelblattes des Urbars von 1319 erläuterte sie den Inhalt eines Urbars (jeder Hof wird mit seinen Abgaben aufgeführt und laufend ergänzt).
Anschließend ging sie auf die einzelnen Bestände und deren Neuordnung ein. Im Laufe der Zeit und durch die Neuordnungen/Umsortierungen gingen ca. 86 % der Akten verloren. Im Hauptstaatsarchiv in München und in Amberg lagern heute einige Bestände des Neuburger Archives. Im Jahre 1972 erfolgte eine weitere nach geschichtlichen Perioden aufgeteilte Neuordnung. Verteilte Bestände wurden soweit wie möglich zusammengeführt, die Bände wurden konservatorisch mit Schutzumschlägen versorgt und ein Registerband erstellt (ist käuflich zu erwerben). Frau Dr. Kalesse ging auf die Probleme bei der Neusortierung der zusammengeführten 42 Altbestände ein. Im Archiv sind 49,19 lfd. Meter mit 1402 Amts-büchern und 1387 Akten, davon 1350 Amtsbücher und 1301 Akten aus der Zeit vor der Säkularisation, gefüllt. Die Visitationsberichte von 1288 - 1360 über die Filialklöster sind ausgewertet und damit für Forscher eine Fundgrube.
(4 Gäste u. 41 Mitglieder)05.05.2011: Donnerstag, 19.00 Uhr:
Felicitas Söhner: Von Ravascletto nach Bayerisch-Schwaben. Die Zenettis in Lauingen
Der Ausgangspunkt der Familiengeschichte liegt in Ravascletto in Italien. Frau Söhner zeigte eine Abbildung der reich geschmückten Kirche der Heimatgemeinde, die durch viele Spenden der Ausgewanderten an die zurückgebliebenen Verwandten so prachtvoll wurde. Nachdem sie die Route der karnischen Straßenhändler erläuterte, ging sie auf die beiden Transportmöglichkeiten ein, zuerst auf die "Crassigne" einer Art "Schubladenkiste" und danach auf die "Crane", einer Rückentrage. In der Crassigne wurden Kleinteile und Glas (Glaswaren wurden von Butter umgeben, dadurch waren sie vor Bruch geschützt - daher der Spruch "es ist alles in Butter") transportiert, dagegen war die Crane zum Transport von Stoffen etc.. Die "Cramars" (davon leitet sich das deutsche Wort Kramer ab) hatten feste Routen, so wussten die Dörfer, wann welcher Cramar kam. Bei einer Volkszählung in Venetien 1679 wurde festgestellt, dass 25 % aller Männer über 15 J. als Cramars unterwegs waren.
Der Sohn des ersten Zanetti (Antonio Zanetti ließ sich in Schwaben nieder und gründete in Wertingen eine Handelsgesellschaft), Giovanni Baptista, deutschte seinen Namen in Johann Baptist Zenetti ein. Frau Söhner erläuterte nacheinander die drei Familienzweige und die Entwicklung der Familien in Lauingen, die Kaufmannslinie (Johann Bapist Zenetti), die Salz- u. Eisenwarenlinie (Eduard Ludwig Zenetti) und die Apothekerlinie (Johann Carl Zenetti). Die Familie war sehr erfolgreich, einige wurden Bürgermeister in Lauingen oder hatten gute Kontakte zum Münchner Großbürgertum. Sie engagierten sich für die Gemeinde, gründeten die Feuerwehr, ließen die Straßen pflastern, bauten die Straßenbeleuchtung aus usw.. Danach ging sie auf die Lebensgeschichte von Paul Zenetti ein, der zahlreiche Reiseberichte schrieb und Mitglied in einigen Vereinen war, z.B. dem Fahrradfahrer-Verein.
(5 Gäste u. 39 Mitglieder)14.05.2011: Samstag, 10.00 Uhr:
Besuch der Ausstellung "Bürgermacht & Bücherpracht" im Maximilianmuseum in Augsburg
In der Ausstellung werden zahlreiche historisch-genealogischen Prachthandschriften u.a. aus der Werkstatt von Jörg Breu des Jüngeren vorgestellt. In der Mitte des 16. Jahrhunderts befand sich Augsburg auf der Höhe seiner Macht. Die Buchmalerei erlebte eine einzigartige Blüte, es entstanden kostbar illuminierte Prachthandschriften für Augsburgs Rat, Patrizier und Zünfte. Erstmals seit ihrer Entstehung werden fast alle Hauptwerke der Augsburger Buchmalerei der Renaissance und Frühbarock, Prunkhandschriften, Wappen- und Familienbücher in der Ausstellung vorgestellt. Diese sogenannten Ehrenbücher, kunstvoll gestaltete Genealogien und Chroniken, sollten durch die Verbindung von aufwändigen Texten mit einer prachtvollen Bebilderung den Status ihrer Auftraggeber hervorheben.
Die erste Gruppe begann im Erdgeschoss, und bewunderte ein "Bißbuech" von 1584 mit originalgetreuen und maßstabsgetreuen Abbildungen von Trensen, Geschirr und Gebissen der Pferde von Marx Fugger, der ein Pferdeliebhaber war. Sie erläuterte die Kupferstichtechnik und die Buchverarbeitung. Die Detailtreue der Darstellung ist beeindruckend. Die Augsburger Ehren- und Familienbücher der Renaissance umfassen sowohl die Geschichte der Kaiser, des Rats und der Bürger, frühe Wappen- und Familienbücher, gedruckte Geschlechterbücher, Familienbücher von der Spätrenaissance bis um 1700 und die Neubelebung im 18. Jahrhundert. In einer zweiten Abteilung sind die Augsburger Prachtcodices aus dem Eton College und aus der Bibliotheca Real des Escorial zu besichtigen, ein besonderer Höhepunkt der Ausstellung. Der Augsburger Ratsdiener Clemens Jäger war der erste Stadtchronist und verfasste z. B. 1545 das Consulatehrenbuch, das in drei Teile gegliedert ist, und das Vogteiehrenbuch, gedruckt in der Werkstatt von Jörg Breu d. J.. Durch dieses Buch ist auch eine Innenansicht des alten Ratshauses erhalten. Die Chronik der Weberzunft stammt ebenfalls von Clemens Jäger und umfasst neben der Geschichte der Weberzunft, alle Zunftmeister mit Namen und die 1368 eingeführte Zunftverfassung. Aus der Werkstatt von Johannes Schreyer stammt der Ehrenspiegel des Hauses Österreich. Das Hochzeitsbuch der Augsburger Herrenstube ist eine hervorragende Quelle für Familienforscher, ebenso das Wappenbuch des Konrad Peutinger mit den Wappen alter Augsburger Familien. Bestaunt wurden die prachtvollen Geschlechterbücher. Dem ersten von Paul Hektor Mair aus dem Jahr 1538 folgten Neuauflagen bis weit ins 17. Jahrhundert. Zahlreiche weitere Prachtbücher mit Goldschnitt, teilweise im Wert von einigen Millionen Euro, wurden bewundert.
In der zweiten Abteilung folgte die Besichtigung des Eton Codex, der drei Bände umfasst. Der erste Band beginnt mit der Geschichte der Menschheit, der Aufteilung der Welt usw.. Im zweiten Band geht es u. a. um Fürsten- und Kaiserbiographien. Der dritte Band mit der Turnierordnung und den Wappen ist etwas rätselhaft, da in zusammenhängenden Texten Leerseiten enthalten sind.
Die Ausstellung begeisterte alle, die Pracht der Bücher ist unbeschreiblich. Die Mal- und Gestaltungstechnik aus dem 16. Jahrhundert beeindruckte stark, die handkolorierten Zeichnungen sind noch so strahlend, als ob sie gerade erst entstanden wären.
Nach dem Besuch des Museums traf sich der Großteil der Teilnehmer im Gasthof zum Weissen Hasen zum Mittagessen und gemütlichem Beisammensein.
(9 Gäste u. 16 Mitglieder)04.06.2011: Samstag, 11.00 Uhr:
10. Großer Schwäbischer Forscherstammtisch
Nach der traditionellen Vorstellungsrunde in der die Stammtischleiter über das Forschungsgebiet und Programm ihres Stammtisches oder Interessensgemeinschaft sprachen, stellten sich einige Gäste vor. Herr Wegele und Frau Scheller berichteten vom Stand der Planungen für den Genealogentag 2012 in Augsburg und über das Friedhofsprojekt, das gut voranschreitet. Nach dem Mittagessen teilten sich die Teilnehmer in drei Gruppen auf.
Herr Xaver Baur führte eine Gruppe durch die Stadt, neben den Kirchen wurden historische Stätten (und weniger historische Stätten wie eine Eisdiele) besucht.
Eine Gruppe begab sich unter der Leitung von Herrn Wegele zum Heimatmuseum. Das Heimatmuseum in Donauwörth auf der Riedinsel am "kleinen Wörnitzarm" ist eines der wenigen spätmittelalterlichen Häuser, welches den Bombenhagel des 2. Weltkrieges heil überstand. Es wurde jahrhundertelang von Fischerfamilien bewohnt, die letzte gab dem stattlichen Haus den, im Volksmund noch heute gebräuchlichen, Namen "Hintermeier-Haus". Es ist also klar, dass ein Teil der Ausstellung, dem Fischerhandwerk gewidmet ist. Ein weiterer Schwerpunkt stellt das Schlosserhandwerk dar. Ein besonderes Schmankerl im Erdgeschoss stellte die dem "Donauwörther Original" Josef Guggenmoos gewidmete Sonderausstellung dar, seines Zeichens war er Erfinder und genialer Werkzeug- und Messerschmied. Über ihn gibt es zahlreiche lustige Anekdoten, welche auch zum Besten gegeben wurden, da auch ein Zeitzeuge mit anwesend war. Beim Besuch des Obergeschosses scheint in den einzelnen Zimmern die Zeit seit 150 Jahren still zu stehen. Originalgetreu und sehr liebevoll sind hier Exponate zu den Themenkreisen Haushalt, Kinderstube, Tracht und religiöses Leben zusammengestellt. Die Besucher waren sichtlich beeindruckt.
Die letzte Gruppe fuhr mit Frau Scheller zum Käthe-Kruse-Museum. Frau Wildfeuer begrüßte die Anwesenden und erläuterte die Geschichte des Gebäudes, ein ehemaliges Kapuzinerkloster, das 1993 in ein Museum verwandelt wurde. Käthe Kruse, 1883 in Breslau geboren, wurde Schauspielerin und heiratete den 29 Jahre älteren Künstler Max Kruse. Von 1902 bis 1921 bekamen sie 7 Kinder. Für ihre erste Tochter bastelte sie aus einem Handtuch und einer Kartoffel eine Puppe, da die damaligen Puppen aus Porzellan und zum Spielen kaum geeignet waren. Frau Wildfeuer erläuterte die weitere Entwicklung der Firma von der ersten Werkstatt in Berlin, den weiteren Stationen in Ascona, Bad Kösen bis zur Fabrikation in Donauwörth, wo noch heute jährlich 32.000 Puppen hergestellt werden. Die Puppen wurden anfangs komplett aus Nessel hergestellt, später ersetzte ein Plastikkopf das Nesselexemplar. In der Firma wurden neben Puppen auch Schaufensterpuppen, Porzellanfiguren (Zusammenarbeit mit Fa. Göbel - Hummelfiguren) und Schildkrötpuppen vertrieben. Die meisten der ausgestellten Puppen, z.B. Schlenkerle, die einzige lachende Puppe mit einem Wert von ca. 12.000 €, wurden von der Familie zur Verfügung gestellt. Zum Schluss wurde ein Film über das Leben und das Lebenswerk von Käthe Kruse angeschaut.
Nach dem Kaffeetrinken führte Rudi Stiening die Datenbank FOKO im Internet vor und zeigte die Möglichkeiten auf. Danach wurden verschiedene Internetprojekte gezeigt wie matricula.eu (Kirchenbücher online des Bistums Passau und der Bistümer Ober-österreichs), Vorarlberger Landesarchiv (Kirchenbücher online des Bistums Vorarlberg), Ancestry (Willi Jäger) und die Metasuche bei genealogy.net (Sabine Scheller) erläutert.
(53 Forscher/innen)07.07.2011: Donnerstag, 19.00 Uhr:
Rudolf Stiening: FOKO - Was ist das?
Aufbau und Umfang der Datenbank, Dateneinsendung, Suche in FOKO, Wer kann an der FOKO-Aktion teilnehmen?, Weiterentwicklung der Datenbank im Internet; Demonstration der Möglichkeiten direkt online.
Rudi Stiening erläuterte die Entstehung von FOKO vor ca. 20 Jahren. Die Idee dahinter ist ganz einfach - schnell feststellen können, "wer forscht, welchen Namen, in welchem Ort". Die Kontaktaufnahme mit Forschern sollte erleichtert werden und gleichzeitig so sicher wie möglich sein, um Missbrauch zu vermeiden. Heute Kontaktaufnahme per angegebener E-Mailadresse. Am Anfang gab es Bücher, sortiert einmal nach Namen und einmal nach Orten. Nachdem die Postleitzahlen von 4- auf 5-stellig umgestellt wurden, gab es Zuordnungsprobleme und Herr Stiening saß wochenlang über der Berichtigung der Daten. Danach erschienen die Bücher für Schwaben, Oberpfalz, Nieder- und Oberbayern. Im Jahre 1999 begann der Aufbau der Internetdatenbank. Die umfangreiche Datenbank wird heute von Herrn Heist, unterstützt von seinem Team, dem Herr Stiening angehört, betreut. Die Internetdatenbank wurde Punkt für Punkt erklärt. Nach den Möglichkeiten der Suche nach Namen und den Eingrenzungen der Suche (Territorium, Postleitzahl) erläuterte er die Kontaktaufnahme mit dem gefundenen Forscher. Für die Einspeisung von Daten ist die Anmeldung nötig. Herr Stiening erklärte Schritt für Schritt die Eingabe entweder über die Schnelleingabe oder über eine erstellte FOKO-Liste aus einer Gedcomdatei (können einige Ahnenforschungsprogramme erstellen). Die Möglichkeiten für Teilnehmer sind umfangreich, sich eine Übersicht der eingestellten Daten anzeigen lassen, Ahnengemeinschaften raussuchen oder Statistiken erstellen sind nur einige Punkte. An mehreren Beispielen stellte der Referent die Vielseitigkeit von FOKO dar. Zuletzt führte er seine Arbeit als Administrator vor und erläuterte die Vorgehensweise, wenn ein Anwender Daten hochgeladen hat. Erst wenn der Administrator die Daten kontrolliert hat (Vollständigkeit, Fehler) und sie freigegeben hat, sind sie für alle Forscher weltweit einsehbar.
(3 Gäste, 50 Mitglieder)01.09.2011: Donnerstag, 19.00 Uhr:
Traditioneller Arbeitsabend - verbunden mit einer Brotzeitspende
Dieser Arbeitsabend hat eine lange Tradition und wird allgemein der "Würschtlesabend" genannt. Seit drei Jahren leitet Josef Hummel den Abend und spendet die Brotzeit. Hermann Kleitner war, wie in den letzten Jahren, für das Besorgen und Erhitzen der Würstchen zuständig.
Manfred Wegele informierte über den Stand der Planungen für den Genealogentag 2012 in Augsburg und verteilte den druckfrischen Flyer. Erstmals ist ein Kinderprogramm geplant, auch auf einige andere Programmpunkte ging er ein. Zwei neue Stammtische wurden gegründet und Herr Sontheimer sprach über das erste Treffen in Kammlach. Der zweite Stammtisch wurde in Günzburg von unserem Mitglied Anton Seitz ins Leben gerufen.
Peter Lingnau sprach über das erste Treffen der "Arbeitsgruppe Web-Team" und die geplanten Aktivitäten.
Manfred Wegele stellte drei neue Hochzeitsbücher vor, die Arno Hemprich zusammen mit seiner Gattin erarbeitet hat. Die Möglichkeit des Stöberns in den Dubletten wurde rege genutzt. Informationen wurden ausgetauscht und Herr Pusinelli stellte die Möglichkeiten der Familienforschung auf der Homepage von ancestry vor.
(4 Gäste und 39 Mitglieder)06.10.2011: Donnerstag, 19.00 Uhr:
Monika Müller: "Jüdische Gemeinden im Fürstentum Pfalz-Neuburg während der Frühen Neuzeit"
Sabine Scheller und Elisabeth Weilnböck berichteten vom Genealogentag in Erlangen. Frau Monika Müller berichtete über die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit, die sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit gewinnen konnte. Das vorliegende Dissertationsprojekt (betreut durch Prof. Dr. Rolf Kießling, Lehrstuhl für Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte der Universität Augsburg) versucht am Beispiel der jüdischen Gemeinden im Fürstentum Pfalz-Neuburg, Grenzen der Toleranz im christlich-jüdischen Mit- und Nebeneinander nachzuzeichnen, Unterschiede im Handeln von zentralen Institutionen und kommunaler Wirklichkeit auszumachen und eine jüdische Landschaft zu beschreiben, in der sich - im Gegensatz zu umliegenden Territorien - Siedlungskontinuität kaum entwickeln konnte. Zwischen den Zeiten, zwischen den Räumen - so ließe sich jüdisches Leben im frühneuzeitlichen Alten Reich darstellen. Juden trieben Handel weit über die damaligen Territoriengrenzen hinaus, ihre religiösen Bezugspunkte fanden sie keineswegs immer in dem Herrschaftsbereich, in dem sie lebten, die Geschichtswissenschaft ging sogar so weit, jüdische Geschichte fernab der tradierten Epochenmarken anzusiedeln, setzte etwa ein "jüdisches Mittelalter" bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts an. Dieser grundlegenden Zwischenstellung, die dem frühneuzeitlichen Judentum eingeprägt ist, gilt es auch bei der Untersuchung jüdischen Lebens in einem vormodernen Territorium Rechnung zu tragen.Die Referentin begann mit der Lob- und Dankpredigt von 1741. Anlässlich der Ausweisung der Juden aus dem Fürstentum wurde in Monheim ein eigenes Fest gefeiert. Frau Müller ging zunächst allgemein auf das Leben der Juden - "der Schutzverwandten" - ein, die Entwicklung vom Untertan des Kaisers im Mittelalter bis zu den Besonderheiten als Untertan eines Landesherrn. Als nächstes verdeutlichte sie die Entwicklung des Fürstentums, entstanden 1505. Im Jahre 1552/53 erfolgte die erste Ausweisung von Juden durch Pfalzgraf Ottheinrich. Ab 1614, unter Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm, wurden wieder Juden im Land aufgenommen. Aber schon 1671 mussten sie das Land erneut verlassen, einige blieben allerdings bis 1684. Die dritte Epoche ging von 1695/96 (Pfalzgraf Johann Wilhelm musste seine Finanzen aufbessern) bis zur Ausweisung 1741 (siehe oben).
Anhand zweier Konfliktfälle erläuterte sie die Lebensumstände und die Problematik des Zusammenlebens mit Christen. In Lauingen gab es seit 1364 das Privileg, dass die Stadt selbst die Judenaufnahme regeln dufte. Das war natürlich für die Stadt problematisch, als es 1639 zu der Ausweisungsanordnung des Landesherrn kam und die Stadt sich weigerte, die Juden auszuweisen. Die Referentin ging auf die verschiedenen Argumentationslinien des Landesherrn und der Kommune ein. Der zweite Konfliktfall aus dem 18. Jahrhundert stammt aus Monheim, einer Stadt mit vielen Juden, über die sich die christlichen Bewohner der Stadt beschwerten, z. B. dass die Juden 1/5 der Häuser der Stadt in Besitz hatten. Es kam immer wieder zu Schreiben an den Landesherrn mit dem Wunsch alle Juden auszuweisen. Aber schon einige Jahre nach der letzten Ausweisung wurde festgestellt, es war wirtschaftlich ein Fehler.
Das Besondere in der Pfalz-Neuburg war, dass die Juden mehr die Städte bewohnten, als, wie in anderen Fürstentümern üblich, die Dörfer. Frau Müller ging auch auf die schwierige Quellenlage ein. Sie erläuterte den Ablauf der Ausweisung und erklärte, dass es weiterhin Handelsbeziehungen gab (Eintreiben der Schulden). Auch auf die Ausbreitung der Juden ging sie ein. Ursprung der Wanderung war die Zerstörung des Tempels in Palästina 70 n. Chr. Vermutlich zogen die Juden als Händler mit den Römern nach Norden. Ob es damals zu Missionierungen kam, ist ungewiss.
(6 Gäste und 39 Mitglieder)03.11.2011: Donnerstag, 19.00 Uhr:
Manfred Wegele: Grundlagenkurs III - "Welche Informationen bieten Kontraktenprotokolle?"
Hermann Kleitner hat viele alte Glasplatten mit Bildern von Augsburg vor dem 2. Weltkrieg zum Erfassen erhalten und bittet um Mithilfe bei der Zuordnung einiger Häuser. Es folgt eine rege Diskussion und einige Bilder können einer Adresse zugeordnet werden.
In Pappenheim hat ein Forscher, dessen Nachkommen kein Interesse an seiner Familienforschung hat, spontan seinen umfangreichen Nachlass in zwei alten Koffern dem Verein übergeben. Stefan Pusinelli erklärt sich spontan bereit, den Nachlass zu erfassen.
Manfred Wegele stellte in einer Powerpointpräsentation Kontraktenprotokolle vor. Zuerst erläuterte er, was ein Kontraktenprotokoll ist - ein freiwilliger Vertrag, die Vertragspartner waren sich vorher einig und gaben ihren Willen nun zu Protokoll. Es gab auch Misch- und Sonderformen wie Kontrakt- und Verhörprotokolle, Pupillenprotokolle, Kaufbuch oder Zins- und Heiratsprotokolle.
Er erläuterte jede Form der Protokolle, die Abkürzungen und z. B. wann ein Handlohn fällig war, auch ging er auf die zahlreichen Besonderheiten ein. Die vielen unbekannten Haushaltsartikel, wie z. B. ein Höllhafen erklärte er kompetent. Anhand der Originalprotokolle stellte er die Möglichkeiten für die Familienforschung vor. Es ist faszinierend, was man in den Protokollen alles findet, mehrere Generationen incl. Verwandtschaften, z. B. wurde "der Mutter Schwester Tochter" bedacht und namentlich genannt. Zuletzt verteilte er ein Originalprotokoll und alle versuchten es gemeinsam zu lesen. Nach einiger Zeit wurde das Familienblatt mit der Transkription an alle Anwesenden übergeben.
(5 Gäste und 39 Mitglieder)